Online Museum ist nicht Chefsache …
… und wird es wohl auch nie werden. Heute, am 3. Tag des Jahres 2012, diskutierten im deutschen Bundestag, im deutschen Kanzleramt, in der deutschen Medienwelt und deutsche Blogger im Social Web fast alle nur über die Zukunft des derzeitigen Bundespräsidenten Christian Wulff nach seiner Kreditaffäre (im Social Web daher auch BundesWulff oder Bundeskreditnehmer tituliert).

Ganz gestört direkt vis-à-vis vom deutschen Regierungsviertel, diskutierten zwei Webworker ganz unpolitisch und völlig unbeachtet die Zukunft vom Online Museum “Sylter Süden”. Interessiert ja auch keinen … weder in Berlin noch auf Sylt. Aber egal. Der Ausblick ins Januar-Grau war entspannend und die Atmosphäre in dem Coffeeshop kreativitätsfördernd. Ohne das beide Webworker den Blick für die monetäre Realität im Web aus den Augen verloren. Vorzugskredite – wie beim Bundespräsidenten Wulff mit festem Jahresgehalt und nachhaltiger Existenzsicherung – würde kein Geschäftsmann für solch ein Kulturprojekt anbieten und kommen aufgrund unsicherer wirtschaftlicher Perspektive auch nicht mehr in Frage. Schon die Dreharbeiten für die Episoden von 2005 bis 2009 haben soviel gekostet wie ein guter deutscher Kleinwagen. Aus eigener Tasche finanziert, damals noch mit idealistischen Hoffnungen auf öffentliches Interesse …
Museums-Konstrukteur Michael Firnkes, als Informatiker heute Blogprofi und Corporate Blogger, hält das Projekt aber noch immer für interessant. Museums-Initiatorin Claudia Heydolph, die als TV Jorunalistin mit ihrem Kamerateam den Sylter Süden ab 2005 verfilmt hat, kann sich noch immer nicht trennen von dem Projekt. Und der Idee einer neuen medialen Form, in einem Online Museum Zeitgeschichte sichtbar zu machen. Beide sind sich einig: die Gratiskultur im Netz werden sie trotzdem nicht unterstützen. Ein Handwerker kommt auch nicht umsonst. Und niemand geht zu einem Rechtsanwalt, einem Banker oder einem Zahnarzt und erwartet eine gratis Konsultation … Gleiches Recht für alle: Auch studierte Webworker mit jahrelanger Berufserfahrung wollen von ihrer Arbeit leben und sind ihr Geld wert …
Kurzum: Ziel des Treffens war allein die Planung für 2012. Finanzbedarf, Handlungsbedarf für den Filmschnitt, Crowdfunding oder Antrag auf öffentliche Gelder, Museumsdesign, Museumsnavigation, App für die mobile Nutzung des Museums im Sylter Süden und Realisation. Bis Ende Januar wird am Konzept gefeilt und nach Wegen der Finanzierung gesucht – gemeinsam, online, idealistisch. Sobald die Produktionskosten inklusive marktüblicher Honorare für alle – vom Cutter bis zum Museumsteam – gesichert sind, kann die Arbeit dann beginnen. Kalkuliert wird vorläufig mit einer Größenordnung von 30 bis 40 000€.
Nun ist alles offen … Endgültig ist das Projektende: 31.12.2012. Damit es kein Jahrtausendprojekt wird wie die Hamburger Elbphilharmonie … wo zwar die Kosten ständig steigen, aber alle Mitwirkenden weiter davon leben können.
Was einen Anfang hat … muss auch ein Ende haben!
Tschüss Tristesse geht weiter. So wie 2005 geplant. Nur ein bisschen anders.
Der Ausblick ... ist zugleich der Eingang in ein zukünftiges Online Museum.
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Die Autorin und Initiatorin des Projektes Claudia Heydolph

