Was ist ein Online Museum?
Als vor der Infoveranstaltung “Was ist, wird und soll ein Online Museum?” in Hörnum/Sylt die ersten beiden Besucher eine halbe Stunde früher kamen, um sich noch ein paar Museumsbilder anzuschauen, wurde mir klar: Ich habe ein Museum im Kopf, das sich ein klassischer Museumsbesucher kaum vorstellen kann und für das es noch keine Vorbilder gibt. Es ist im Grunde genommen ein neues Informationsangebot für Wissbegierige in der digitalen Gesellschaft.
Bei dem Stichwort “Online Museum” taucht bei Google ganz oben LeMo: lebendiges virtuelles Museum Online als Gemeinschaftsproduktion vom Deutschen Historischen Museum Berlin und dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf. Nur das, was sich hinter der Startseite verbirgt, entspricht nicht einmal im Ansatz dem Grundgedanken vom Online Museum “Sylter Süden”.
Klickt man auf das “Deutsches Historisches Museum in Berlin” erscheint dies:

Unter “LEBENDIGES MUSEUM ONLINE” erscheint dann das:
Auch was andere unter Webmuseen verstehen, hat nichts zu tun mit dem Projekt in Hörnum.
Was im Online Museum “Sylter Süden” entstehen soll, ist ein multimediales Angebot zum Museumsrundgang auf PC, Laptop und allen mobilen Geräten wie Smartphones und TabletPCs. Es kann sogar dank der Smart TV Technik auf jedem neuen Fernseher genutzt werden, der mit dem Internet verbunden ist. Das hat den Vorteil, das weder ein Raum noch Personal für den Betrieb des Museums benötigt werden noch Öffnungszeiten und der Aufenthaltsort den Besuch des Museums begrenzen. Es ist 24 Stunden geöffnet für jeden an jedem Ort und kostenlos, vorausgesetzt, man hat einen Internetzugang.
Wenn man die Startseite öffnet, hat man im Menü zunächst die Wahl zwischen verschiedenen Jahreszahlen: Es sind die prägenden Jahreszahlen für den touristischen Umbruch im Sylter Süden ab 2005. Ab diesem Zeitpunkt verwandelte sich das ehemalige Bundeswehrdorf und der Militärstandort Sylter Süden in eine moderne Tourismus-Destination. Damals sagte eine Hörnumerin im Interview noch: “Schön wäre es, wenn Sylt eines Tages nicht an der Sansibar zu Ende ist.” Die Dünenlandschaft südlich der Sansibar bis zur Hörnum Odde wurde damals zwar von Naturliebhabern geschätzt, fand aber in der öffentlichen Wahrnehmung auf der Insel kaum Beachtung.
Deshalb widmet sich das Online Museum nun der Landschaft südlich der Sansibar – dem “Sylter Süden”. Aber wie?
Ganz einfach: In Filmepisoden, die ursprünglich für einen mehrteiligen Dokumentarfilm konzipiert wurden. Jede Episode erzählt (in Fernsehqualität) von kleinen Momenten im großen Umbruch zwischen 2005 und 2011.
Zu jeder Episoden gibt es viele Bonus-Pakete: aus zusätzlichen Filmsequenzen, die in den Episoden keinen Platz mehr hatten, vollständigen Interviews, Presseberichten aus der jeweiligen Zeit und die Einordnung in die überregionale Zeitgeschichte. Statt an Vitrinen und Geschichtstafeln vorbei zu wandern, spaziert man per Maus durch die Zeitgeschichte – bei Regenwetter im Ferienappartement mit Kindern, die sich in klassischen Museum langweilen; zu Hause, bevor man in den Sylter Süden fährt oder an anderen Orten der Welt, einfach aus Interesse an Sylter Geschichte.
Vorerst geht es nur um die Zeitgeschichte zwischen 2005 und 2011, als der Sylter Süden ein komplett neues Gesicht bekam. Aber ein Online Museum hat keine Platzprobleme und ist daher jederzeit ausbaufähig. Die Zeit zurück bis zu den Anfängen als Militärstandort ließe sich mit Bild- und Tonmaterialien aus Archiven in einem multimedialen Rundgang rekonstruieren. Die Jahre nach 2012 können Hörnumer, Sylter und Gäste mitgestalten – dank der modernen Kameras und Smartphones, die gute Bilder fast automatisch liefern …
Was einen Anfang hat … muss auch ein Ende haben!
Tschüss Tristesse geht weiter. So wie 2005 geplant. Nur ein bisschen anders.
Der Ausblick ... ist zugleich der Eingang in ein zukünftiges Online Museum.
Ausblick
Das Blog zum Film
Aktuelles
Wer schreibt hier
Die Autorin und Initiatorin des Projektes Claudia Heydolph


